Geschäftsbericht und Referenzdokument 2003

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Interview mit den CEOs

Philippe Camus und Rainer Hertrich, Chief Executive Officers
A380-Fertigungslinie
Links:
Philippe Camus, Chief Executive Officer
Rechts:
Rainer Hertrich, Chief Executive Officer

Ein erfolgreiches Jahr 2003? Zuversichtliche Prognosen für 2004? Was steckt hinter den Zahlen? Philippe Camus und Rainer Hertrich beantworten einige Kernfragen zu Fortschritten und Aussichten des EADS-Konzerns.

Warum sind Sie mit den Geschäftsergebnissen 2003 zufrieden?

Dafür gibt es eine Reihe sehr guter Gründe. Wir stehen klar an der Spitze des kommerziellen Luftfahrtmarktes. Schließlich konnte Airbus bei den Auslieferungszahlen erstmals die Konkurrenz überflügeln; der aktuelle Auftragsbestand von Airbus spricht dafür, dass dieser Erfolg von Dauer sein wird. Daneben sind wir im Verteidigungsbereich, gemessen am Auftragsbestand, weltweit auf den zweiten Platz vorgerückt. Anspruchsvollere Militärkunden wissen unser vollständiges Angebot an wettbewerbsfähigen, modernen Produkten zunehmend zu schätzen. Insgesamt stieg der Auftragseingang konzernweit von € 31 Milliarden im Jahr 2002 auf € 61,2 Milliarden im Jahr 2003, wobei die Hälfte dieser Neuaufträge aus dem Verteidigungssektor stammt.

Kurzum: Auf dem Weg, den das Board of Directors für uns abgesteckt hat, wurde ein Etappenziel klar erreicht. Beim Ausbalancieren unserer Umsatzverteilung zwischen dem Zivil- und dem Verteidigungssektor sind wir mit großen Schritten vorangekommen. Und wir konnten unsere Führungspositionen auf allen Märkten ausbauen.

Können die im Verteidigungssektor tätigen Geschäftseinheiten Ihre Ansprüche erfüllen?

Ja, davon sind wir überzeugt, und zwar aus zwei Gründen. Erstens haben wir mit unseren Verteidigungsprodukten schon heute große Erfolge, wie mit der Entscheidung für die Militärhubschrauber Tiger und NH90 durch Spanien und Griechenland sowie dem Verkauf des Eurofighters an Österreich. Im Raumfahrtgeschäft haben wir uns den britischen Auftrag für das militärische Satellitenprogramm Skynet 5 im Wert von £ 2,5 Milliarden gesichert. Mit Bestellungen des Lenkflugkörpers Aster aus Frankreich, Italien und Großbritannien erzielte auch MBDA herausragende Ergebnisse. Und wir durften mit dem Acht-Nationen-Auftrag zum militärischen Transportflugzeug A400M, der sich auf insgesamt € 19,7 Milliarden beziffern wird, den umfangreichsten Verteidigungsvertrag aller Zeiten unterzeichnen. Zweitens haben wir unsere Aktivitäten im Militärgeschäft neu organisiert und den neuen Geschäftsbereich Verteidigungs- und Sicherheitssysteme ins Leben gerufen, um unsere strategische Linie des starken Wachstums im Verteidigungsbereich zu untermauern.

Aber sicher war 2003 kein sorgenfreies Jahr?

Der Konflikt am Golf und die SARS-Epidemie stellten für die Finanzlage der Fluggesellschaften eine ernsthafte Belastung dar, und wir mussten unsere Auslieferungen das ganze Jahr hindurch sorgfältig planen. Ferner könnte auch die Dollar-Schwäche ein Problem werden, falls sie sich lange in einer extremen Form hält. Kurzfristige Auswirkungen auf unsere Geschäftsergebnisse hat es nicht gegeben, denn wir haben uns gegen Kursrisiken aktiv abgesichert und werden dies natürlich auch 2004 tun. Neben diesen Hedging-Instrumenten setzen wir derzeit Maßnahmen zur Steigerung unserer Produktivität um, die sich ebenfalls bald auszahlen dürften.

Wie hat sich das alles auf das Ergebnis der EADS ausgewirkt?

2003 wurden unsere Finanzziele das dritte Jahr in Folge übertroffen: Das EBIT, das mit € 1,4 Milliarden prognostiziert worden war, betrug letztlich € 1,5 Milliarden. Wir konnten bedeutende Fortschritte verbuchen, und wie erwartet werfen alle Geschäftsbereiche – außer Raumfahrt – Gewinne ab. Auch bei der Liquidität liegen wir über den Erwartungen, und 2004 soll diese Leistungssteigerung noch deutlicher ausfallen.

Besonders ermutigend ist, dass wir all dies erreichten, ohne unsere Investitionen in Programme wie den Airbus A380 zurückzufahren. So hatten wir es versprochen, und so wurde es auch gemacht – ein weiterer Beweis für unsere strenge Finanzdisziplin.

Wie würden Sie die Lage im Geschäftsbereich Raumfahrt genau beschreiben?

Wegen des schwachen Raumfahrtmarktes und der Restrukturierungskosten wies der Geschäftsbereich zum dritten Mal in Folge einen Verlust aus. Aber wir haben von BAE Systems den Anteil von 25% am Aktienkapital der EADS Astrium übernommen und mit dem Strukturwandel des Geschäftsbereichs den Turnaround für das Jahr 2004 vorbereitet. Ausnahmslos effiziente Werke, eine strikte Programmkontrolle, Kostenkürzungen und ein optimierter Einkauf sind weitere Kernmaßnahmen, die zur Rückkehr in die schwarzen Zahlen beitragen.

Was steht für das laufende Jahr auf dem Programm?

Bei den Geschäftsaktivitäten rechnen wir damit, die Zuschläge in einer Reihe entscheidender laufender Programme zu erhalten. Eines davon ist das Programm FSTA für die britische Royal Air Force: Hier führt das AirTanker-Team, in dem wir eine zentrale Stellung einnehmen, derzeit abschließende Verhandlungen. Unter diesem Vertrag werden wir die Anforderungen des Kunden voll erfüllen und somit zur Erweiterung unseres Geschäfts beitragen.

2004 stehen uns zudem einige industrielle Meilensteine bevor: Das Programm A400M wird Fahrt aufnehmen, und die Montage der ersten A380 in Toulouse ist derzeit im Gange. Darüber hinaus werden wir die ersten Tiger- und NH90-Hubschrauber ausliefern, und auch die Zehn-Tonnen-Version der Trägerrakete Ariane 5 dürfte den Flugbetrieb wieder aufnehmen.

Unsere Strategie gründet auf dem Aufbau starker Wettbewerbspositionen in den Bereichen Zivilflugzeuge, Hubschrauber, Lenkflugkörper und kommerzielle Trägersysteme bei gleichzeitigem erheblichem Wachstum im Verteidigungssektor. Wir werden die Fähigkeit der EADS zur Bereitstellung von „Systems of Systems”-Lösungen und im Dienstleistungssektor weiterentwickeln, um ihre Programmleitungs-Kompetenzen zu erweitern. Daneben beabsichtigen wir, unseren weltweiten Einflussbereich durch industrielle Aktivitäten in den USA, Asien und Russland auszudehnen. Und wir werden weiterhin auf der Basis unseres breit gefächerten Tätigkeits- und Technologie-Spektrums Zivil- und Militärprodukte kombinieren, um mit innovativen Produkten zu konkurrenzfähigen Preisen in führender Position am Markt präsent zu sein.

Eurofighter
Eurofighter

Und was erwarten Sie vom Jahr 2004 in finanzieller Hinsicht?

Die kurzfristigen Aussichten sind äußerst ermutigend. Wir streben für 2004 einen EBIT-Anstieg auf rund € 1,8 Milliarden an, der vor allem auf den Hochlauf von Verteidigungsprogrammen und den Turnaround im Raumfahrtbereich zurückzuführen ist. Ein möglicher Rückgang des Airbus-Beitrags aufgrund der anhaltenden Marktschwäche könnte dieses Wachstum jedoch geringfügig schmälern. Im Verteidigungsbereich – insbesondere bei Lenkflugkörpern und Militärhubschraubern – werden die Auslieferungszahlen steigen, und bei einigen im Verteidigungssektor tätigen Geschäftseinheiten werden Effizienzsteigerungs-Programme zur Umsetzung kommen. Für die fernere Zukunft rechnen wir mit Wachstum in allen Bereichen – genährt vom Wiederaufschwung der kommerziellen Luftfahrt, von den Effekten unserer Produktivitätsmaßnahmen und Kosteneinsparungen sowie von einem außerordentlich hohen Auftragsbestand in allen Geschäftsbereichen.

Gibt es auch für das laufende Jahr schon Ermutigendes zu vermelden?

In den vergangenen Monaten berichteten zahlreiche Fluggesellschaften von deutlichen Anzeichen dafür, dass sich der Flugverkehr erholt. Damit stützten sie die Prognose der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO, die für 2004 einen Anstieg um ca. 4% in Aussicht stellt. Im Verteidigungsbereich machen wir Fortschritte bei wichtigen Programmen, wie mit der GBAD-Demonstration in Großbritannien und der Aufnahme unseres Unternehmens in die Endauswahl für das FSTA-Programm im Januar 2004. Diese und andere Programme werden helfen, unser Verteidigungsgeschäft auszubauen und unsere Wettbewerbsposition im Laufe der kommenden Jahre insgesamt weiter zu verbessern.

Ist das angesichts der weltwirtschaftlichen Lage nicht eine gewagte Prognose?

Den Konzern darauf vorzubereiten, mit Unsicherheiten umzugehen, gehört zu unserem Auftrag. Wir sind flexibel, belastbar und stark, um künftige Schwierigkeiten zu überwinden und unsere Ziele zu erreichen. Das ist nicht zuletzt den Qualitäten, den Fähigkeiten und dem Engagement unserer Mitarbeiter zu verdanken, die heute zu den leistungsstärksten Teams der Branche zählen. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz der Marktschwäche der vergangenen Jahre solide Erträge erwirtschaftet haben, ohne dass unsere bedeutenden Investitionsprogramme davon beeinflusst wurden. Dafür sprechen wir ihnen unsere Hochachtung und unsere aufrichtige Wertschätzung aus. Und wir freuen uns darauf, auch weiterhin mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Philippe Camus   Rainer Hertrich
„Wir sind weltweit zunehmend als ein Unternehmen bekannt, das seine Versprechen hält. Und das ist für uns alle von unschätzbarem Wert.” „Herausragende Produkte, eine klare Strategie und die besten Kräfte der Branche – gibt es ein besseres Rezept für künftige Erfolge?”  
Signatur von Philippe Camus, Chief Executive Officer   Signatur von Rainer Hertrich, Chief Executive Officer
Philippe Camus Chief Executive Officer   Rainer Hertrich Chief Executive Officer