Der wichtigste Wachstumsmotor in diesem Wirtschaftssektor ist und bleibt die notwendige Erneuerung veralteter Plattformen, die bis zu 90 Prozent der weltweiten wehrtechnischen Beschaffungsausgaben bindet. Dies schafft zunehmend langfristige Wachstumssaussichten in den Marktsegmenten Versorgungsflugzeuge (Tanker und Transportmaschinen), Missionsflugzeuge und unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs), Hubschrauber, Kampfschiffe sowie leichte Panzerfahrzeuge (mit komplexen elektronischen Missionssystemen). Zugleich verlangen die Streitkräfte im Zuge ihrer Transformation auf die gewünschten Fähigkeiten ausgelegte, interoperable Lösungen für gemeinsame Einsätze. Die Verschiebung der Bedrohungslage in Richtung von Terroristen und so genannten Schurkenstaaten fördert darüber hinaus die Nachfrage nach bestimmten militärischen und sicherheitstechnischen Ausrüstungen.

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Quelle: S.I.P.R.I.-Jahrbuch 2005

Bei Beschaffungsvorgängen werden immer öfter neue Verfahren zur Anwendung kommen. Weltweit sind Regierungskunden zunehmend daran interessiert, Dienstleistungen von der Privatwirtschaft zu beziehen. Um diesen Anspruch zu erfüllen, müssen Auftragnehmer im Verteidigungssektor nicht nur hochwertigste Dienstleistungen, sondern auch innovative Vertragsmodelle anbieten.

Eine weitere Tendenz im Beschaffungswesen ist der Erwerb komplexer Systemlösungen. Bestimmte Kunden verlangen von der Industrie vollständige, interoperable Systeme, die gemeinsam nutzbare Lagebilder als Entscheidungsgrundlage erstellen. Nur die großen Akteure der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche bieten die Vielfalt an Kapazitäten, die man als Hauptauftragnehmer für derart komplexe integrierte Systemlösungen braucht.

Das Wachstum der Beschaffungsausgaben in den USA (2005: US$ 147 Milliarden) und Europa (2005: € 55 Milliarden) wird auf lange Sicht weiterhin etwa ein Prozent per annum betragen. In Asiens aufstrebenden Volkswirtschaften nehmen die Verteidigungshaushalte rapide zu. Hier schätzt die EADS die Höhe der 2005 getätigten Verteidigungsausgaben auf knapp US$ 100 Milliarden und erwartet langfristig ein Wachstum von jährlich über zwei Prozent. Allerdings ist der Großteil der asiatischen Budgets für inländische Anbieter reserviert. Die Wehrtechnik-Exporte nach Nahost bleiben stabil auf hohem Niveau.

Auf dem Markt für Internationale Sicherheit bieten sich den meisten Anbietern von Verteidigungsgütern neue Chancen, da die Regierungen den Aufbau nationaler Sicherheitsstrukturen nach den Ereignissen vom 11. September 2001 immer stärker in den Vordergrund stellen. Die EADS schätzt, dass auf diesem Markt 2005 mehr als € 35 Milliarden umgesetzt wurden und dass er außerhalb der USA um jährlich über zehn Prozent wachsen wird.

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Das Segment Hubschrauber ist einer der am schnellsten wachsenden Sektoren des Verteidigungsmarktes. Noch beflügeln Europa und die USA mit ihrer Nachfrage nach Transport- und Kampfhubschraubern diese Entwicklung, mittelfristig wird das stärkste Wachstum jedoch in Asien zu verzeichnen sein. Die große Mehrheit der bis 2020 prognostizierten 7.200 Militärhubschrauber-Verkäufe wird außerhalb der USA erfolgen. Auch Sicherheitskräfte wie Grenzschützer und die Polizei brauchen immer mehr Hubschrauber. Zur Deckung dieser spezifischen Erfordernisse im Sicherheitsbereich werden auch Zivilhubschrauber künftig zunehmend entsprechende Anpassungen erfahren.

Bei den Kampfflugzeugen besteht Bedarf am Austausch veralteter Flotten (40 Prozent der weltweit rund 7.000 aktiven Kampfflugzeuge sind mehr als 25 Jahre alt). Die Zukunft bestimmen Großprogramme, die zurzeit von der Entwicklungs- in die Herstellungsphase übergehen. Die europäischen Modelle Gripen, Rafale und Eurofighter stehen allesamt bereits in der Produktion, während die Entwicklung des neuen US-Produkts F-35 noch läuft. Russische Alternativen sind auf Märkten mit niedrigeren Ansprüchen erfolgreich. Auch wenn der hier dargelegte Erneuerungsbedarf wohl noch vor der vollständigen Einführung unbemannter Kampfflugzeuge (UCAVs) zum Tragen kommen dürfte, werden heute bereits die ersten unbemannten Luftfahrzeuge (UAVs) für die Überwachungs- und Aufklärungsrolle entwickelt.

Airbus wie auch Boeing bieten Lösungen für den weltweiten Bedarf am Austausch von Tankflugzeugen an. Als Ersatz für veraltete Flotten von Schwerlast- und mittelgroßen Transportflugzeugen bieten sich heute die C-17 von Boeing, die C-130 von Lockheed Martin und die A400M als neuer Herausforderer aus dem Hause EADS an. Auf dem Weltmarkt für leichtere Transportflugzeuge stehen sich Finmeccanica und die EADS als Konkurrenten gegenüber.

Im Bereich der Lenkflugkörper wird das stärkste Wachstum im asiatisch-pazifischen Raum erwartet, auch wenn der Nahe Osten ein wichtiges Zielgebiet für Exportkampagnen der USA und Europas bleiben wird. Ein entscheidender Erfolgsfaktor bei Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich ist die Zusammenarbeit mit Herstellern von Plattformen für luft- und seegestützte Lösungen. Die USA stellen die Hälfte des Weltmarkts, auf Europa und die restliche Welt entfällt jeweils ein Viertel.

Die Konsolidierung der Branche dürfte andauern, da die Verteidigungsanbieter nach Möglichkeiten suchen, ihre Portefeuilles zu erweitern und sich in neue regionale Märkte einzukaufen. 2005 übernahm BAE Systems den US-Wehrtechnikhersteller United Defence Industries, während die EADS und ThyssenKrupp Technologies gemeinsam den deutschen Marineelektronik-Anbieter Atlas Elektronik erwarben.

Dieser langfristig stabile Wachstumstrend für Anbieter mit der richtigen Mischung aus Produkten und Dienstleistungen ist Beobachtern aus der Investment-Szene nicht entgangen. Im September 2005 gab die Goldman Sachs Group, Inc. eine ausführliche Marktanalyse heraus, in der sie ihre Bewertung der europäischen Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsbranche von „neutral“ auf „attraktiv“ heraufstufte.



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