Das Jahr der Rekorde
Airbus nahm mehr Neuaufträge entgegen als jemals zuvor in seiner 35-jährigen Geschichte und blieb somit Branchenführer nach Auftrags- und Auslieferungszahlen. Um den Rekord-Auftragsbestand zu bewältigen, hat Airbus die Fertigungskapazitäten kontinuierlich gesteigert. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Nachfrage nach Neuflugzeugen ungebrochen ist und Airbus die Innovationskraft hat, die es uns erlaubt, den Flugesellschaften jene Verbrauchseffizienz und Einsatzflexibilität anzubieten, die sie benötigen.
Von großer Bedeutung war das abgelaufene Geschäftsjahr für die zwei neuen Flugzeugprogramme von Airbus. Am 27. April erhob sich die zweistöckige A380 erstmals in die Luft. Mit 555 Sitzen ist sie heute nicht nur das größte, sondern dank ihrer modernen Aerodynamik, der Hochdruck-Hydrauliken und des Einsatzes von kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) auch das technisch fortschrittlichste Flugzeug. Das im Oktober eingeführte Langstrecken-Großraumflugzeug A350 mit 250 bis 300 Sitzen baut ebenfalls auf Technologien auf, die für die A380 entwickelt wurden.
Das 2003 gestartete Kostensenkungsprogramm Route06, das für 2006 Einsparungen von € 1,5 Milliarden vorsieht, kommt planmäßig voran. Während der laufenden Umsetzung stehen kontinuierliche Effizienzsteigerungen im Brennpunkt – bei Airbus selbst wie auch bei seinen Zulieferern.
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| (in Mio. €) | 2005 | 2004 | Veränderung |
| Umsatz | 22.179 | 20.224 | +10% |
| 2.307 | 1.919 | +20% | |
| Auftragseingang | 78.254 | 25.816 | +203% |
| Auftragsbestand | 201.963 | 136.022 | +48% |
| Nach Stückzahlen | 2005 | 2004 | Veränderung |
| Auslieferungen | 378 | 320 | +18% |
| Auftragsbestand | 2.177 | 1.500 | +45% |
Airbus hat 2005 einen höheren Umsatz erzielt als jemals zuvor: Mit € 22,2 Milliarden wurde der Vorjahreswert von € 20,2 Milliarden um 10 Prozent übertroffen. Wichtigste Triebfeder dieses Anstiegs war die Auslieferung von 378 Flugzeugen (2004: 320 Flugzeuge). Das EBIT stieg um 20 Prozent auf € 2,31 Milliarden (2004: € 1,92 Milliarden), die EBIT-Marge übertraf das angestrebte Ziel von 10 Prozent (2004: 9,5 Prozent).
Von den im Jahr 2005 weltweit insgesamt ausgelieferten Flugzeugen mit 100 oder mehr Sitzen stammen 56,6 Prozent aus der Airbus-Produktion. Seit seiner Gründung hat Airbus somit 4.130 Flugzeuge an seine Kunden ausgeliefert. Sowohl für die A330/A340 als auch für die Single-Aisle-Flugzeuge steigt die Produktionsrate stetig an; im Frühjahr 2006 sollen die jeweiligen Montagelinien eine monatliche Fertigungskapazität von 7,5 bzw. 30 Maschinen erreichen. Der Ausstoß der A320-Linie ist der höchste, den je ein Flugzeugbauer erreicht hat; ermöglicht wurde dies durch flexible Produktionsverfahren und eine massive Verkürzung der Durchlaufzeiten.
Auftragsbestand
Was den Auftragseingang betrifft, war 2005 ein beispiellos erfolgreiches Jahr für Airbus: 1.111 Festaufträge im Wert von rund US$ 95,9 Milliarden (auf der Basis von Listenpreisen) wurden verbucht. So konnte Airbus seinen bisherigen Rekord-Auftragseingang von 556 Flugzeugen aus dem Jahr 1998 nahezu verdoppeln und verzeichnet heute einen Marktanteil von 52 Prozent nach Stückzahlen bzw. 45 Prozent nach Verkaufswert. Damit erfreut sich Airbus heute seines höchsten Auftragsbestands aller Zeiten: Insgesamt 2.177 Flugzeuge im Wert von rund US$ 220,3 Milliarden zu Listenpreisen. Gemessen am Auftragsbestand beträgt der Marktanteil von Airbus derzeit 55 Prozent.
Die meisten Aufträge kamen 2005 aus Asien und Nahost. Aus Lateinamerika und von Europas neuen Niedrigpreis-Airlines gingen ebenfalls Großaufträge ein. Die umfassendsten Bestellungen erteilten chinesische Kunden, darunter die China Aviation Supplies Import and Export Group (CASGC), die im Dezember 150 Flugzeuge der A320-Familie orderte und hierauf bereits mehrere Anzahlungen leistete. Auch die Leasinggesellschaften spielten eine wichtige Rolle mit Aufträgen über bis zu 195 Flugzeuge.
Drei neue Kunden bestellten insgesamt 20 Flugzeuge vom Typ A380. Damit übertraf Airbus sein Ziel, bis zur Inbetriebnahme jährlich einen Neukunden für die A380 zu gewinnen. Neben China Southern als erstem chinesischen und Kingfisher als erstem indischen Abnehmer entschied sich mit dem US-Kunden UPS auch ein zweites großes Frachtunternehmen für den Megaliner. Somit liegen für die A380 insgesamt 159 Festaufträge von 16 Kunden vor. Die Zertifizierung ist rechtzeitig zur Auslieferung an den Erstkunden Singapore Airlines bis Ende 2006 geplant. Diese Bestellungen beweisen, dass die konkurrenzlose Kapazität dieses neuen zweistöckigen Flugzeugs den Kunden enorme Vorteile bringt.
Für das neue 250- bis 300-sitzige Langstreckenflugzeug A350 gingen im Zeitraum zwischen der Markteinführung im Oktober 2005 und dem Ende des Geschäftsjahrs 172 Aufträge und Kaufzusagen von 13 Kunden ein, darunter 87 Festaufträge von neun Betreibern und Leasinggesellschaften. Die Zahl der Kaufzusagen für dieses neue Flugzeug liegt weit höher als es bei seinem direkten Konkurrenten in der gleichen Zeitspanne nach dessen Markteinführung der Fall war. Dies belegt klar, dass das neue Modell aufgrund seiner hochmodernen Technik, seiner Kommunalität mit dem Rest der Airbus-Familie und anderer Faktoren wirtschaftlich äußerst attraktiv ist.
Bei den Langstreckenflugzeugen A330, A340 und A350 wurde mit insgesamt 166 Aufträgen von 18 Kunden der bislang höchste jährliche Brutto-Auftragseingang erreicht. Schätzungen zufolge wird der Markt für neue Langstreckenflugzeuge mit 250 bis 300 Sitzen in den kommenden 20 Jahren auf mehr als 3.000 Maschinen anwachsen.
Die meisten Neuaufträge lauteten über Flugzeuge der höchst erfolgreichen A320-Familie. Diese erreichte mit 918 Bestellungen – dem höchsten je verbuchten Auftragseingang – einen Marktanteil von 62 Prozent und behauptete ihre Marktführung in diesem Segment. Mit einem Auftragsbestand über 1.652 Flugzeuge erwies sich die A320-Familie als erste Wahl für Niedrigpreis-Airlines, die über ein Drittel aller Aufträge des Jahres erteilten. Auch auf dem chinesischen Luftfahrtmarkt hat dieser Flugzeugtyp klar die Nase vorn.
Auf dem Markt für Firmenjets verkaufte sich auch der von der A320 abgeleitete ACJ (Airbus Corporate Jetliner) mit 15 Festaufträgen sehr gut; ihr Auftragsbestand stieg damit auf über 60 Flugzeuge.
Internationalität
Um sein Wachstum im Dienste von Anteilseignern und Mitarbeitern zu sichern, geht Airbus neue Wege und schließt Partnerschaften mit Branchengrößen in China, Russland, den USA und anderen Ländern.
Die Verbindungen zur chinesischen Zivilluftfahrt hat Airbus im Jahresverlauf nach dem Abschluss mehrerer Abkommen über erweiterte Kooperationen ausgebaut. Nach zwei Vertragsunterzeichnungen mit den Staatsunternehmen AVIC I und AVIC II (China Aviation Industry Corporation I und II) wurde im Dezember eine Machbarkeitsstudie zu einer Industriepartnerschaft vereinbart. Im Rahmen dieses Partnerschaft soll in China eine Endmontagelinie für die A320 errichtet werden. Heute sind fünf chinesische AVIC-I- und AVIC-II-Unternehmen in die Herstellung von Teilen für die Single-Aisle-Familie eingebunden. Airbus hat sich verpflichtet, die Beschaffungsvolumina bis 2007 auf US$ 60 Millionen und bis 2010 weiter auf US$ 120 Millionen zu erhöhen.
Auch die Zusammenarbeit mit russischen Unternehmen wurde ausgebaut. Im August unterzeichneten Airbus und das russische Forschungs- und Produktionsunternehmen Irkut eine vorläufige Vereinbarung, die Russlands Beteiligung an der Entwicklung der A350 und künftiger Flugzeugprogramme umreißt. Bis 2007 beabsichtigt Airbus, russischen Unternehmen Aufträge im Gesamtwert von jährlich US$ 110 Millionen zukommen zu lassen. Airbus hatte bereits 1995 ein Büro in Moskau eröffnet; seine russischen Programme umfassen zahlreiche Forschungs- und Technologieprojekte sowie Konstruktionsarbeiten und eine breit angelegte Kooperation in Zertifizierungsfragen.
In Nordamerika hat Airbus seine Präsenz um ein neues Technikzentrum in Mobile (Alabama) erweitert. An diesem neuen Standort werden Airbus-Flugzeuge vom Typ A330, A340 und A350 für zivile und militärische Zwecke umgerüstet; hier entsteht auch das moderne militärische Tankflugzeug KC-30. In dem Technikzentrum, das 2006 in Betrieb gehen soll, werden voraussichtlich rund 150 Beschäftigte arbeiten.
In Australien hat Airbus seine Forschungspartnerschaft mit dem Cooperative Research Centre for Advanced Composite Structures in Melbourne mittels eines Rahmenabkommens für Forschung und Technologie erweitert.
Kundendienst
Airbus ist ständig bestrebt, seinen Kundendienst zu optimieren. Zu diesem Zweck hat Airbus die Abteilung Customer Services am Standort Toulouse zusammengefasst; alle 1.000 Mitarbeiter arbeiten nun unter einem Dach. Der neue Standort verfügt über ein Call-Center, das rund um die Uhr besetzt ist.
Airbus hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um seinen Kunden Kosteneinsparungen zu ermöglichen: Das dritte Jahr in Folge wurde beispielsweise auf eine Erhöhung der Ersatzteilpreise verzichtet. Ebenso wurde beschlossen, alle technischen Daten online oder auf CD-ROM zur Verfügung zu stellen, wodurch die Fluggesellschaften Zeit und Geld sparen. Zudem hat Airbus eine Treibstoffmanagement-Software für die Kunden entwickelt. Die Internet-basierte Software AirS@vings zeigt Treibstoffkosten-Indexwerte wahlweise für Einzelflüge oder Städtepaare an und hilft so den Airlines, ihren Verbrauch zu senken und zu optimieren.
Bei den Online-Diensten gab es ebenfalls eine Neuentwicklung: ein B2B-Portal namens Airbus World, über das Airlines und Betreiber Informationen austauschen können. Ergänzend hierzu wurde ein neuer elektronischer Ersatzteilkatalog erstellt.
Ferner hat Airbus das erste Netzwerk für Wartungs- und Reparaturdienste (
MRO) aus 13 einschlägigen Anbietern geknüpft, um den Fluggesellschaften zu helfen, an jedem Ort der Welt den jeweils besten Wartungspartner zu finden. Zusätzlich wird den Airlines der neue Airbus Modular Spares Service angeboten, ein umfassendes Support-Paket, das Fluggesellschaften bei der Verbesserung ihres Ersatzteillager-Managements unterstützt. Auch dieses Angebot spart den Kunden Zeit und Geld.
Obwohl der Auftragseingang 2005 außerordentlich hoch lag, ist Airbus angesichts der starken Nachfrage aus Asien optimistisch, seinen Auftragsbestand das ganze Jahr 2006 über auf dem aktuellen Rekordnivau halten zu können. Dies dürfte die langfristige Planung bei den Auslieferungen bis zum Jahresende durchgehend sichern. Für die fernere Zukunft wird erwartet, dass die am Auftragsboom von 2005 nicht beteiligten US-Airlines in den nächsten Jahren verstärkt in neue, verbrauchsärmere Flugzeuge investieren werden.
Darüber hinaus wird Airbus das Kostensenkungsprogramm Route06 vollständig umsetzen und weiterhin auf kontinuierliche Effizienzsteigerungen hinarbeiten. Auf diese Weise bereitet sich Airbus auf die ab 2007 zu erwartende Verschlechterung der Wechselkurssicherungen gegenüber dem US-Dollar vor.


