Kaum ist das volle Ausmaß von GlossarPower8 bekannt, äußern alle Beteiligten – Politiker, Gewerkschaften, Mitarbeiter – ihre Bedenken. Wie gehen Sie damit um?
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Louis Gallois, CEO

Louis Gallois     Mir war von Anfang an klar, dass ich keinen leichten Auftrag habe. Aber mein Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus wiederherzustellen und die Rentabilität des Konzerns zu bewahren. In einem Duopol – damit haben wir es in der Luftfahrtindustrie heute zu tun – muss Gleichgewicht herrschen, oder eine Seite hat ganz schnell verloren. Natürlich durchlaufen die Akteure immer wieder ihre Höhen und Tiefen, insgesamt jedoch muss die Parität erhalten bleiben.

Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, gibt es keine Alternative zu einem tief greifenden Restrukturierungs- und Integrationsprogramm. Und wenn wir allen Beteiligten restlos klarmachen können, dass Power8 für unseren Erfolg unverzichtbar ist, bin ich sicher, dass sie die Ziele des Programms verstehen und mittragen werden.

Welche Rolle spielen dabei die Arbeitnehmer?

Thomas Enders     Eine echte Schlüsselrolle, verbunden mit einer enormen Verantwortung, die ihnen beim Umsetzen der Integrationsmaßnahmen zukommt. Wir wissen, dass wir unseren Mitarbeitern in dieser schwierigen Phase eine Menge abverlangen.

Louis Gallois     Uns ist es darum sehr wichtig, Betriebsräte und Belegschaftsvertreter laufend über unser Vorgehen zu informieren.Dies ist auch ihr gutes Recht, wenn dem Unternehmen harte Zeiten ins Haus stehen.

Können Sie das, was aus unternehmerischer Sicht getan werden muss, auch umsetzen?
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Thomas Enders, CEO

 

Thomas Enders     Kein Unternehmen kann sich über sein Umfeld einfach hinwegsetzen, und selbstverständlich nehmen wir die Sorgen aller Betroffenen ernst. Deshalb haben Louis und ich stets auf einer gerechten, ausgewogenen Lastenverteilung bestanden. Auch für das Management der EADS gelten betriebswirtschaftliche Grundsätze. Die Finanzmärkte können von uns erwarten, dass wir das Unternehmen für Anleger attraktiv machen – und zwar für solche, die an einer langfristigen Wertsteigerung interessiert sind. Kurzum: Wir wollen, dass in unseren Konzern investiert wird.

Im Rahmen der jüngsten Turbulenzen bei der EADS wurde immer wieder die Frage gestellt, ob die besondere Struktur des Unternehmens Teil der Lösung oder Teil des Problems ist

Thomas Enders     Ich behaupte nicht, unsere Struktur sei ideal. Aber unter den Umständen, die für die EADS gelten, funktioniert sie recht gut und entwickelt sich weiter. Beispiele sind die strukturellen Aspekte der Integration bei Airbus und der EADS: Da gab es echte Fortschritte. Und es werden noch weitere folgen. Weder unsere Managementstruktur noch unsere Konzernführung sind in Stein gemeißelt.

Louis Gallois     Wir sollen dieses Unternehmen führen und müssen uns somit an die Regeln halten, die unsere Anteilseigner aufgestellt haben. Zwar haben sich diese Regeln – erfreulicherweise – jüngst als nützlich erwiesen, indem sie für enge Kontakte zu allen Beteiligten in Öffentlichkeit und Politik sorgten und uns auf diese Weise halfen, Integration und Strukturwandel weiter voranzutreiben. Doch in dem Maße, in dem sich die Bedürfnisse des Unternehmens weiterentwickeln, wird sich die Umstellung auf eher klassische Strukturen früher oder später als logischer Schritt anbieten.

Was sind Ihre strategischen Ziele?

Thomas Enders     Erstens wollen wir mit unserer Internationalisierung vorankommen und unsere Partnerschaften in verschiedenen Erdteilen festigen. Zweitens messe ich unseren betrieblichen Optimierungsprogrammen und neu definierten Innovationsvorhaben eine wirklich strategische Bedeutung bei.

Louis Gallois     Davon abgesehen bin ich überzeugt, dass wir uns auf den Dienstleistungsmärkten besser aufstellen müssen. So erfolgreich wir im Plattformgeschäft sind, sollten wir auch danach streben, unsere eigenen Produkte zu betreuen und über die gesamte Betriebsdauer hinweg zu begleiten. Hier wartet ein gewaltiges Geschäftspotenzial auf uns, da bin ich mir ganz sicher. Daher werden wir unsere Möglichkeiten mit größter Sorgfalt abwägen.

Viele fürchten, dass die Internationalisierung der EADS auf Kosten ihrer Produktionskapazitäten hier in Europa geht.
EADS Chief Executive Officers Thomas Enders (links) und Louis Gallois (rechts) (Foto)
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EADS Chief Executive Officers Thomas Enders und Louis Gallois

Louis Gallois     Es besteht kein Anlass, unsere starken europäischen Wurzeln in Frage zu stellen. Internationalisierung ist nicht zu verwechseln mit dem Verlegen von Arbeitsplätzen oder Know-how-Transfer, sondern bedeutet, die eigene Präsenz in anderen Ländern optimal zu nutzen. Nur so können wir am dortigen Wachstum teilhaben und Zugang zu neuen finanziellen und technischen Ressourcen erhalten. Dass wir einerseits infolge der Internationalisierung in einem intensiveren Wettbewerb stehen, ist richtig. Andererseits erschließt sie uns mehr Märkte und Kunden. Wir müssen die Globalisierung als Chance begreifen, nicht als Gefahr.

Thomas Enders     Ganz meiner Meinung. Der Wettbewerb wird zunehmen – weil die Welt flach ist, um Thomas L. Friedmans berühmten Buchtitel zu zitieren –, und daher müssen wir auch unsere Innovationsanstrengungen intensivieren. Genau das tun wir, im gesamten Unternehmen. Hier sei vor allem auf die Gründung von EADS GlossarInnovation Works im vergangenen Jahr hingewiesen. Solange Europa ein wichtiger Markt bleibt und wir in Europa eine Technologie- und Innovationsbasis von Weltformat haben, werden wir hier auch ein starkes industrielles Fundament bewahren.

Führt das zur Einstellung neuer Arbeitskräfte?

Louis Gallois     Herausragende Ingenieure sind bei uns immer gefragt. Damit wir unsere Kapazitäten an neue Geschäftsanforderungen anpassen können, brauchen wir Leute, die auf eine Welt im Wandel vorbereitet sind. Leute, die grenzübergreifend denken, die fähig sind, Programme zu führen und Finanzdaten im Blick zu behalten – und die gerne mit Kollegen aus anderen Nationen zusammenarbeiten.

Thomas Enders     Als zunehmend globales Unternehmen suchen wir weltweit nach den Besten der Besten. Parallel zum Aufbau neuer Technologiezentren überall auf der Welt haben wir auch unser Personalmarketing in Ländern wie Russland, Indien und China verstärkt. Wenn Sie mich fragen: Einen spannenderen Arbeitsplatz als bei der EADS kann man sich als junger Mensch kaum wünschen.