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A380-Fertigung

 

Nie zuvor hat Airbus mehr Flugzeuge ausgeliefert. Power8 soll – nach Verzögerungen bei der A380 – die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen..



 

Trotz der Verkaufserfolge war 2006 für Airbus ein enttäuschendes Jahr. In einigen Flugzeugprogrammen wurden die Komplexität und die Risiken deutlich; bei der A380 führten Schwierigkeiten in der Fertigung dazu, dass der Auslieferungszeitplan angepasst werden musste. Die erste A380 wird nun voraussichtlich im Oktober 2007 in Dienst gestellt werden. Die Kosten im Zusammenhang mit dieser Verspätung werden die wirtschaftliche Performance noch weiter belasten. Die Notwendigkeit, Kosten zu reduzieren, wird größer – auch aufgrund des schwachen US-Dollars und weiterer Entwicklungskosten für künftige Flugzeugprogramme.

Allen Rückschlägen zum Trotz bewies die A380 ihre technische Reife und erhielt ihre Musterzulassung. Und mit der A350XWB (Extra Wide Body) brachte Airbus ein neues Langstreckenflugzeug mittlerer Passagierkapazität auf den Markt. Es soll seinen Dienst im Jahr 2013 aufnehmen. Die A350XWB entspricht der Marktnachfrage nach einem extrem effizienten und umweltverträglichen Flugzeug. Dieses Flugzeugprogramm wird ganz wesentlich von Power8 profitieren: Künftige Investitionen, Chancen und Risiken werden neu verteilt, im Gegenzug dazu wird Airbus umfangreiche Arbeitsanteile an Systemzulieferer vergeben. 50 Prozent der Flugzeugstruktur-Arbeiten sollen an Partner gehen, die das Risiko dann gemeinsam mit Airbus tragen – dies ist etwa doppelt so viel wie in früheren Programmen. Damit einher gehen einmalige Belastungen in Höhe von € 1,8 Milliarden und ein Kapitalaufwand von € 600 Millionen.

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(in Mio. €)

2006

2005

Veränd.

 

 

 

 

Umsatz

25.190

22.179

14%

EBIT

-572

2.307

Auftragseingang

53.367

78.254

-32%

Auftragsbestand

210.115

201.963

4%

 

 

 

 

Nach Stückzahl

 

 

 

Auslieferungen

434

378

15%

Auftragsbestand

2.533

2.177

16%

Mit dem Ziel, die bevorstehenden Herausforderungen zu meis-tern, hat Airbus das Power8-Programm auf den Weg gebracht. Es soll Airbus fit machen für die Belastungen aus dem schwachen US-Dollar und den erhöhten Wettbewerbsdruck; es soll die finanziellen Auswirkungen der A380-Verspätung abmildern und Airbus Handlungsspielraum für künftige Investitionen geben.

Ab 2010 sollen jährliche Einsparungen in Höhe von € 2,1 Milliarden und für die Jahre 2007 bis 2010 ein zusätzlicher Cashflow von insgesamt € 5 Milliarden erreicht werden. Dazu will Airbus sein Geschäftsmodell gründlich erneuern und ein weltweites Netz verlässlicher Partner aufbauen. Die Ressourcen werden auf das Kerngeschäft konzentriert und Effizienzdefizite, die sich aus der derzeitigen Struktur ergeben, behoben. Ein neuer Aufbau, in dem länderübergreifende Kompetenzzentren die heutigen nationalen Strukturen ersetzen, soll zu einer vollständigen industriellen Integration führen. Dieser Wandel wird schrittweise über einige Jahre hinweg erfolgen – parallel zum steten Ausbau der weltweiten Präsenz von Airbus.

Gute Auftragslage

Die hohe Nachfrage hielt an, denn die Fluggesellschaften bereiten sich auf weiteres Wachstum in der zivilen Luftfahrt vor. Zudem müssen alternde Flotten mit Hilfe effizienterer Maschinen modernisiert werden. 2006 war für Airbus das zweitbeste Jahr, gemessen an neuen Aufträgen – hinsichtlich Auslieferungen sogar das beste seiner Geschichte. Seit seiner Gründung hat Airbus bereits mehr als 4.500 Flugzeuge ausgeliefert. Der Auftrags-bestand erreichte ein neues Rekordhoch – selbst bei sehr hohen Produktionsraten ermöglicht dies größere Planungssicherheit für die kommenden fünf Jahre.

Mit 434 Flugzeugen hat Airbus im Jahr 2006 mehr Maschinen ausgeliefert als je zuvor (2005: 378 Flugzeuge). Der Umsatz stieg damit um 14 Prozent auf € 25,2 Milliarden – gegenüber € 22,2 Milliarden im Jahr 2005. Die finanziellen Auswirkungen der A380-Verspätungen, erhöhte F&E-Aufwendungen und unvorteilhaftere Maßnahmen zur Wechselkurssicherung führten zu einem EBIT von € -572 Millionen (2005: € 2,3 Milliarden). Darin enthalten ist auch eine A400M-Rückstellung in Höhe von € 352 Millionen für finanzielle Verpflichtungen im Hinblick auf Risiken und technische Herausforderungen im Arbeitsanteil von Airbus. Das EBIT wurde jedoch unterstützt von positiven Volumeneffekten, einem vorteilhafteren Flugzeug-Mix und höheren Beiträgen aus dem Weiterverkauf von Kundenfinanzierungsforderungen.

Mit Aufträgen über brutto 824 neue Flugzeuge (netto 790) erreichte Airbus einen Weltmarktanteil von 44 Prozent. Ende 2006 verfügte Airbus über einen Auftragsbestand von 2.533 Flugzeugen – 16 Prozent mehr als zum Ende des Vorjahres. Kein Flugzeughersteller hatte jemals so gut gefüllte Auftragsbücher; der Auftragsbestand von Airbus repräsentiert 51 Prozent aller weltweit derzeit bestellten Verkehrsflugzeuge.

A320 (Foto)
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A320

Eine große Zahl von Aufträgen kommt aus China und Indien – dort wachsen die Luftfahrtbranche und der Bedarf an Großraum- und Kurzstreckenflugzeugen. Airbus und die China Aviation Supplies Import and Export Group Corporation (CASGC) besiegelten mit ihrem zweiten Vertrag den größten Flugzeugauftrag aller Zeiten: 150 Maschinen der A320-Familie, zuzüglich einer Absichtserklärung zum Kauf von 20 A350XWB. Indian Airlines bestellte 43 Flugzeuge der A320-Familie, GoAir zehn A320 und Kingfisher fünf Langstreckenflugzeuge vom Typ A340-500.

Auf die A320-Familie entfielen insgesamt 673 Bestellungen von 47 Kunden, darunter 20 Neukunden. Niedrigpreis-Airlines orderten 212 Maschinen dieser Kategorie, und auch acht führende Leasing-Gesellschaften bewiesen ihr Vertrauen in Airbus: Sie bestellten insgesamt 64 Flugzeuge der A320-Familie und 50 Großraummaschinen.

A300-600 (Foto)
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A300-600

Mit 134 Festaufträgen von 17 Kunden, inklusive sieben Neukunden, erlebte auch die A330/A340-Familie ein gutes Jahr. Gegenüber 2005 bedeutet dies einen Zuwachs um 5 Prozent. Bislang wurden mehr als 600 Flugzeuge der A330-Familie in Auftrag gegeben – ein klares Bekenntnis der Kunden zu diesem umweltfreundlichen zweistrahligen Langstreckenjet. Während die A330 regelmäßig Spitzenreiter im Bereich der Mittel- bis Langstreckenflugzeuge ist, hat die vierstrahlige A340 Defizite bei der Verbrauchseffizienz.

Die neue A350XWB, das marktweit modernste Langstreckenflugzeug mittlerer Kapazität, rief von Anfang an ein positives Echo hervor. Nach dem industriellen Programmstart im Oktober 2006 gingen bis Jahresende zwei Festaufträge und 40 Kaufzusagen ein; zudem bestehen noch 100 Festaufträge und 82 Kaufzusagen für die urspüngliche A350.

A380 und A318 im Flug (Foto)
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A380 und A318 im Flug

Vertrauensbeweis

Trotz der industriellen Schwierigkeiten bekräftigten führende Fluggesellschaften ihr Vertrauen in die A380, denn sie ist entscheidend für den Erfolg ihrer Geschäftsmodelle. Singapore Airlines bestellte weitere neun, Qantas acht Maschinen; FedEx hingegen stornierte seine Bestellung von zehn A380-Frachtern. Zum Jahresende lagen damit 166 Aufträge und Kaufzusagen von 15 Kunden vor. Im Oktober 2007 soll die erste A380 an Singapore Airlines übergeben werden.

Der Markt für Geschäftsflugzeuge tendierte stabil. Mit einem Marktanteil von 59 Prozent sicherte sich Airbus mit dem ACJ (Airbus Corporate Jetliner) das dritte Jahr in Folge die Spitzenposition. 15 Kunden, davon 13 Neukunden, gaben 21 Flugzeuge in Auftrag: 20 Flugzeuge der A320-Familie und eine A330.

Einschließlich der neuen A350XWB umfasst das Airbus- Portfolio nun 16 verschiedene Modelle; bis dato wurden insgesamt 7.097 Flugzeuge an 250 Kunden verkauft.

Programmfortschritte

Zwar stand 2006 vor allem die A380 im Rampenlicht, doch das Jahr war noch von weiteren Faktoren geprägt, insbesondere vom anhaltenden Produktionshochlauf bei den übrigen Flugzeugfamilien und dem Programmstart für die A350XWB.

A320-Familie

Auf die enorme Nachfrage nach den Flugzeugen der A320-Familie reagiert Airbus mit dem stetigen Hochlauf seiner Produktion. Von monatlich 30 Flugzeugen im Jahr 2006 wird die Rate bis Anfang 2007 auf 32, bis Anfang 2008 weiter auf 34 steigen. Ende 2008 sollen jeden Monat 36 Maschinen gefertigt werden – der höchste Produktionstakt, mit dem je ein Verkehrsflugzeug gebaut wurde.

A330/A340-Familie

Das Programm hielt seine hohe Produktionsrate von monatlich 7,5 Flugzeugen, bis Anfang 2008 wird sie weiter auf monatlich acht Maschinen erhöht. Seit 2006 bietet Airbus mit der Frachtversion A330-200F das weltweit einzige moderne Frachtflugzeug dieser Kategorie an.

A380-Familie

Airbus – und damit die gesamte Luftfahrtbranche – konnte einen neuen Meilenstein in der Geschichte des Flugzeugbaus feiern: Am 12. Dezember 2006 erhielt die A380 die gemeinsame Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA und der US-amerikanischen Luftfahrt-Bundesbehörde FAA.

A380-Cockpit (Foto)
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A380-Cockpit

Dieser Erfolg bestätigt klar die herausragenden technischen Fähigkeiten der A380. Die zugelassene Version wird von Rolls-Royce-Triebwerken vom Typ Trent 900 angetrieben. Die Zertifizierung der Variante mit Triebwerken von Engine Alliance wird bis Ende 2007 erwartet.

Zur Vorbereitung auf den Beginn der Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte 2007 wurde ein umfassendes Programm gestartet, gestützt auf die besten Werkzeuge und Prozesse von Airbus.

Internationale Bündnisse

Airbus pflegt Fertigungs- und Forschungspartnerschaften mit führenden Industrieunternehmen der Branche und schloss 2006 auch entsprechende Vereinbarungen mit Partnern in China, Russland, Polen, Japan, Südafrika und der Türkei.

Ein Rahmenabkommen mit China bereitete den Boden für den Bau einer Endmontagelinie für die A320-Familie; 2009 soll die Flugzeugmontage in China beginnen, und bis 2011 wollen wir eine Produktionsrate von monatlich vier Maschinen erreichen.

In Russland baut Airbus langfristige Kooperationen in den Bereichen Forschung und Technologie, Engineering, Herstellung von Flugzeugkomponenten sowie Roh- und Werkstoffbeschaffung Schritt für Schritt aus.

Umweltbewusstsein

Mit dem Einsatz neuer Technologien will Airbus die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt minimieren. In der Technologie-Initiative Clean Sky, mit der bis zum Jahr 2020 der wahrgenommene Geräuschpegel und der CO 2-Ausstoß halbiert sowie die NOX-Emissionen um 80 Prozent gesenkt werden sollen, kommt Airbus eine entscheidende Rolle zu.

Sämtliche Airbus-Werke in Europa sind bereits nach der Umweltnorm ISO 14001 zertifiziert; einer Gesamtzertifizierung im Jahr 2007 steht damit nichts mehr entgegen.

Ausblick

Im Jahr 2007 wird Airbus die Produktion der A320-Familie und im Langstreckenbereich stetig steigern und dürfte zwischen 440 und 450 Flugzeuge ausliefern.

 

Die erste A380 wird an Singapore Airlines ausgeliefert, und das Vorbereitungsprogramm für die Auslieferungen des Jahres 2008 wird komplett umgesetzt sein. Angesichts weiterer Bestellungen für die A350XWB haben auch deren Entwicklung und Produktionsvorbereitung oberste Priorität.

 

Das Jahr 2007 ist für Airbus ein entscheidendes: Die erfolgreiche Umsetzung von Power8 ist unerlässlich, denn nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt und Airbus vollständig restrukturiert werden. Ziel ist es schließlich, das Vertrauen der Kunden und aller Partner zurückzugewinnen.